Erfahrungsbericht Rebekka

Rebekka berichtet von ihrer Work and Travel - Reise durch Kanada:

In Kanada gelandet bin ich eigentlich eher zufällig. Die Entscheidung zwischen dem work-and-travel-Programm oder einem freiwilligen sozialen Jahr fiel mir sehr schwer. Bis Freunde meiner Familie in den Osten Kanadas auswanderten und wir kurzerhand beschlossen, sie an diesem fernen Ort zu besuchen. Ich dachte mir:“ Prima, Problem gelöst: das einfachste ist, du bleibst in Kanada, wenn du sowieso schon mal da bist. Das Land soll ja toll sein, mit umwerfender Natur, netten Menschen und viel Ahornsirup...“ 

Café in in Nova Scotias
Café in in Nova Scotias

Gesagt, getan. Die vorbereitende Papierarbeit war schnell erledigt und nachdem meine Schulkarriere im Sommer erfolgreich zum Abschluss gekommen war konnte es losgehen. Zunächst als Aushilfe im kleinen Café unserer Freunde, hatte ich direkt Gelegenheit auf Tuchfühlung mit den Kanadiern zu gehen. Bloß stellte sich heraus, dass viele der Menschen, die in dem kleinen Städtchen an der Ostküste Nova Scotias leben, gar keine waschechten Kanadier, sondern vielmehr zugezogene aus allen Ecken Europas sind – oder alternativ amerikanische Touristen. 

Ich mit Farmerin und Wwooferin aus Japan
Ich mit Farmerin und Wwooferin aus Japan

Nach einigen Wochen im behüteten Osten des großen Landes wollte ich dann endlich auch mal auf eigene Faust losreisen, und bin nach Montréal geflogen. Die kanadische Stadt, die mir mit ihrem französischen Flair, der old town, ihren unzähligen Parks, kulinarischen Genießerecken und alternativen Vierteln von Kanadas Großstädten wirklich am allerbesten gefallen hat. Übernachtet wurde während der 2 Wochen in Kanadas französischsprachigem Raum natürlich im Hostel, wie es sich für eine gute Backpackerin gehört ; ) Hier bestand nicht nur die Möglichkeit, das beschränkte Budget zu schonen, sondern vor allem auch die, viele nette junge Leute aus allen erdenklichen Ländern kennen zu lernen. Weiter ging es dann nach Toronto, zum Sprachcaffee-Seminar, das wirklich hilfreich war. Von dort aus hatte ich, ganz untypisch für mich, sogar schon einen nächsten Aufenthaltsort für den kommenden Monat gefunden. Dank der WWOOF-Mitgliedschaft war ich die nächsten 4 Wochen dann damit beschäftigt, mich um schottische Hochlandrinder, Küken, Pferde und weitere Hoftiere zu kümmern, genauso wie unendliche Stunden im Gemüsebeet zu verbringen, um Unkraut zu jäten oder tonnenweise Kartoffeln aus der Erde zu buddeln (eine Tätigkeit, die ein bisschen an Schatzsuche erinnert). Was für einige eintönige und zu dreckige Arbeit sein mag, war für mich genau das richtige. Zumal mich mal wieder unglaublich tolle Menschen umgaben (andere Freiwillige und das Farmerpaar) und ich ganz allgemein viel gelernt habe. 

Vancouver
Vancouver

Aber auch hier hieß es irgendwann mit einem weinenden und einem lachenden Auge Abschied nehmen. Denn der Westen Kanadas wartete nur darauf, von mir entdeckt zu werden. Gereist wurde diesmal nicht luxuriös mit dem Flugzeug sondern etwas rustikaler mit dem good ol’ greyhound bus. 4 Tage von Toronto nach Vancouver, in denen ich durch 5 Provinzen gefahren bin und vor lauter schönen Aussichten viel weniger Seiten meines Buches gelesen habe, als vorher angenommen. Wer es gerne bequem hat, sollte auf längere Strecke wohl doch besser das Flugzeug nehmen, aber für die Kontaktaufnahme zu anderen Menschen kann ich die Fahrt nur empfehlen. Von den spektakulären Aussichten natürlich mal ganz abgesehen. In Vancouver wollte ich dann endlich für richtiges Geld arbeiten und hatte das Glück, letztlich eine Familie zu finden, deren Welpen ich gegen freie Kost, Logis und ein kleines Taschengeld, betreut und trainiert habe. Die vorhergehende Jobsuche hatte sich nämlich als unerwartet schwierig herausgestellt. Auch Vancouver ist eine sehr sehenswerte, dynamische Stadt. Allerdings empfehle ich einen Aufenthalt im Frühling/ Sommer, da Herbst und Winter im Wesentlichen grau und verregnet sind. Diesem Wetter bin ich über Weihnachten und Sylvester dann Richtung Süden entflohen. In Mexiko, wo ich 4 Schulfreunde aus meiner Heimatstadt getroffen habe, hieß es 3 Wochen Sonne tanken und nochmal ein ganz anderes Land kennenlernen. Nur zu empfehlen, da Flüge von Kanada aus durchaus erschwinglich sind! Zurück in Kanada stattete ich Vancouver Island einen kurzen Besuch ab (tolle alte Bäume, schöne Strände, wundervolle Insel) und setzte mich mit Erinnerung an die mexikanische Sonne, mal wieder in einen greyhound bus. 

Arbeiten im Tierheim in Whitehorse
Arbeiten im Tierheim in Whitehorse

Diesmal ging es in den hohen Norden, nach Whitehorse. Eine Bekannte hatte mich eingeladen, zu Besuch zu kommen und mir bei der Jobsuche zu helfen. Was in Vancouver recht schwierig war, gelang in der kleinen Hauptstadt (ca. 30.000 Einwohner) des Yukons im Handumdrehen. Jobs fürs Radio, einen Blumenladen, eine Bar und schließlich eine Vollzeitstelle im Tierheim hielten mich mehr als nur über Wasser und ermöglichten es mal wieder, viele neue Bekanntschaften zu schließen. Auch die Reisezeit stellte sich als günstig heraus, da es um Januar/Februar zwar schweinekalt ist, dafür aber jeden Tag die Sonne scheint und der Himmel strahlend blau ist. In der Stadt wird außerdem alles Mögliche veranstaltet (von weltberühmten Hundeschlittenrennen über den Canadian Hockey Day, bis zum sogenannten Sourdough Festival, bei dem sich alle wie zu Zeiten des Goldrausches kleiden).

New York
New York

Und ganz plötzlich war es schon Ende März und ich tatsächlich seit 9 Monaten unterwegs. Die Heimat rief und nach einem kurzen Abstecher, aus Kanadas Nordwesten, zurück zu meinem Anfangspunkt in Nova Scotia sowie einer aufregenden Woche in New York (ebenfalls nur zu empfehlen), saß ich tatsächlich im Flugzeug zurück nach Deutschland. Unfassbar, wie schnell die Zeit vergehen, wie viel man selbst erleben und sehen kann während 9 Monaten auf einem anderen Kontinent. Die stets freundlichen, offenen und hilfsbereiten Kanadier deren Bekanntschaft ich machen durfte, werde ich so schnell jedenfalls nicht vergessen. Genauso wenig wie ihr wunderschönes Land und den wirklich vorzüglichen Ahornsirup ; )

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